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Im Wasser entbinden

Petra freut sich auf den Besuch bei ihrer Freundin Susi, die vor einigen Wochen ihr erstes Kind auf die Welt gebracht hat. Die Geburt war eine sogenannte Wassergeburt, das heisst, das Baby wurde tatsächlich im Wasser geboren. Susi war begeistert von der sanften Geburt und würde es beim nächsten Kind unbedingt wieder so wollen.

In den letzten Jahren gab es viele Veränderungen in den Kreissäälen, mit dem Ziel, dem Kind einen sanften Übergang in das Leben zu ermöglichen, im engen Körperkontakt mit der Mutter, vom Vater sanft gestreichelt, gewärmt und vor grellem Licht geschützt. Hektik, grelles Licht, Lärm und schlagende Türen sollen der Vergangenheit angehören. So kann das Kind in dieser sensiblen Phase ungestört Kontakt aufnehmen, eine wichtige Grundlage für emotionale Stabilität und Vertrauen im späteren Leben.

Eine Wanne im Kreissaal für eine Wassergeburt gibt es heute in fast allen modernen Geburtskliniken. Es wird von vielen Frauen sehr geschätzt, weil sie im warmen Wasser besser entspannen und Schmerzen besser verarbeiten können. Der Schmerzmittelbedarf wird geringer, Dammschnitte und Kaiserschnitte nehmen ab.

Der Aufenthalt in der Wanne ist nur für eine bestimmte Dauer, zum Beispiel während der Eröffnungsperiode (Öffnung des Muttermundes) oder auch bis zur Geburt des Kindes möglich. Das Kind wird dann unter Wasser geboren, aber vor dem ersten Atemzug aus dem Wasser gehoben und der Mutter ausserhalb des Wassers auf den Körper gelegt. Die Möglichkeit der Wassergeburt wählen heutzutage aber nur wenige Frauen, nämlich etwa 2-5 Prozent, je nach Land.

Geburtswannen sind natürlich grösser als normale Badewannen, damit das Ausstrecken der Frau und verschiedene Positionen während der Geburt möglich werden. Die Wassertemperatur liegt zwischen 34 und 36 Grad Celsius. Die Überwachung des Kindes mit dem CTG (Cardio Toco Graph) ist mit wasserdichten Geräten, sogenannter Telemetrie, möglich, so dass das Kind unter der Geburt überwacht werden kann.

Grundsätzlich ist eine Wassergeburt bei folgenden Voraussetzungen möglich: es handelt sich um eine Einlingsschwangerschaft in Kopflage bei einem gesunden, reifen Kind (keine Frühgeburt), also bei 38 – 42 Schwangerschaftswochen. Die Mutter sollte keine speziellen Erkrankungen aufweisen, insbesondere keine viralen oder bakteriellen Erkrankungen, die sich über das Wasser ausbreiten könnten, beispielsweise Hepatitis B.  Es versteht sich von selbst, dass während der Geburt auf einwandfreie Hygiene geachtet werden muss.

Bei einem abnormalen CTG (Herztöne des Kindes), verstärkten Blutungen aus der Scheide, mütterlichem Unwohlsein, Kreislaufproblemen oder einem abnormalen Geburtsverlauf, sollte der Versuch der Wassergeburt abgebrochen werden.

Eine Periduralanalgesie (PDA) ist bei einer Wassergeburt nicht möglich, da die Gefahr besteht, dass Bakterien oder Viren über den Rückenkatheter ins Rückenmark eintreten könnten und es zu einer schweren Entzündung kommen würde.

Susi fühlte sich in der Wanne so wohl und entspannt, dass sie trotz Schmerzen keine Periduralanalgesie benötigte. Daneben wurde sie aufmerksam und intensiv von der Hebamme betreut, was ihr auch half. So kam es zu einer problemlosen Geburt «unter» Wasser und der Vater hatte grosse Freude beim Filmen dieses tollen Ereignisses.

Und Petra überlegt sich jetzt ebenfalls eine Wassergeburt für ihr erstes Kind, das sie gerade voller Freude und Hoffnung erwartet.