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Durchwachte Nächte? Natürlich nicht…

In jungen Jahren habe ich als Krankenschwester im Tschad in einem von Jesuiten geführten Spital gearbeitet. Ich habe dort vor allem mit einer Hebamme viel Zeit im Gebärsaal, der Wochenbettstation oder dem Operationsaal verbracht.   

Mir fiel immer wieder auf, wie wenig ich Säuglinge weinen hörte und was allgemein für ein Strahlen in den Augen der Kinder lag. Obwohl nicht mal das Nötigste vorhanden war, waren die Säuglinge zufrieden.

Die Kinder wurden gestillt und hatten ständigen Hautkontakt mit ihren Müttern. Und wenn ein Kind aus irgendwelchen Gründen nicht gestillt werden konnte, dann sprang eine andere stillende Mutter ein. In diesem Dorf und der näheren Umgebung lebten die Menschen in Lehmhütten, eng zusammen mit Hühnern und anderen Nutztieren. Ich bin mir bewusst, dass dies etwas plakativ klingen mag, aber genau so war es. Die Gemeinschaft stand zuoberst in dieser kargen Gegend Afrikas, das Individuum zählte wenig. Die Säuglinge wurden überall hin mitgenommen. Die Babys auf den Rücken gebunden, gingen die Mütter schon kurz nach der Geburt beim Brunnen Wasser holen, lebten ihr produktives Leben also schon sehr kurz nach der Geburt weiter.

Da der Säugling immer eng am Körper der Mutter getragen wurde und am Körper der Mütter schlief, konnte die Mutter sofort auf niederschwellige Signale ihres Kindes reagieren.

Es gibt Studien, dass in gewissen ursprünglichen Gegenden Afrikas die Babys bis zu 120 mal pro Tag gestillt wurden. Die Kinder wurden in der Ursprungsfamilie, in der Sippe, im kleinen Dorf erzogen, hatten ihre Aufgaben und spielten miteinander – übrigens nicht mit den Erwachsenen. Im Alter von 3-4 Jahren wurden sie in die Kindergruppe entlassen, sozusagen von der Mutter in die Kinderwelt gestossen, da dann bereits das nächste Kind geboren wurde. Das ganze Dorf war an der Erziehung der Kinder beteiligt.

Was hat das alles mit uns zu tun mögt ihr euch fragen?

Es ist in Afrika keineswegs besser, nur etwas natürlicher, wenn es um den Umgang mit Neugeborenen geht.

Durchwachte Nächte müssen auch bei uns nicht sein. Dabei lohnt es sich, einen Blick auf die ursprünglichen Kulturen zu werfen. Es ist mir bewusst, dass wir nicht alles übertragen können. Aber gewisse Dinge lassen sich unter Umständen auch in unseren „zivilisierten“ Alltag einbauen.

Aus meiner Sicht braucht es zu Beginn kein Kinderzimmer. Es braucht nur die warme Mama, den glücklichen Papa, genügend Muttermilch und ein paar Kleider plus Windeln.

Körperliche Nähe erlaubt es den Müttern auch in der Schweiz, sofort auf die Bedürfnisse des Säuglings zu reagieren, auch nachts.

Sei es im Beistellbett oder in der Wiege: Ich bin der Überzeugung, dass der Säugling im ersten Lebensjahr im Elternzimmer schlafen sollte.

Die Neugeborenen können zum Teil ihre Körpertemperatur noch nicht selbst aufrechterhalten, somit stabilisiert die Mutter das Kind. Je näher das Baby zudem bei der Mutter schlafen kann, desto schneller kann sie auf die Signale ihres Kindes reagieren. Die nährende Brust ist ganz nah, sie gibt dem Kind Nahrung und Sicherheit und ermöglicht der Frau, zu schlafen und gleichzeitig zu stillen.

Glücklicherweise sind die Bedürfnisse der Babys dieser Welt überall die Gleichen.

Wenn wir lernen, die Babys zu lesen, keine Angst zu haben vor ihnen und ihnen möglichst viel Haut und Körperkontakt zukommen lassen, dann gibt’s keine durchwachten Nächte über Wochen.

Verwöhnen kann man Babys nicht mit zuviel Körperkontakt .

Es braucht auch keine Still-Apps, die anzeigen, wann das Kind das nächste Mal essen muss. Ein (gesundes) Kind ist sehr wohl selber in der Lage, sich mitzuteilen.

Wir tun gut daran, uns am Kind zu orientieren und die Technik im Kinderzimmer aussen vor zu lassen.

In diesem Sinne wünsche ich allen frischgebackenen Eltern ruhige und innige Nächte!

Gabriela Correll-Wick