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Babytagebuch: 4. – 6. Monat

«Nochmal genauso lang, dann ist sie schon 1», habe ich kürzlich zu meinem Mann gesagt. Wahnsinn, dass nun die erste Hälfte des ersten Lebensjahrs schon vorbei ist. Im 4. – 6. Lebensmonat wurde unser Baby immer aktiver und nahm die Aussenwelt fast täglich mehr wahr. Für das eine oder andere Mami startet in dieser Zeit der Berufsalltag nach dem gesetzlichen Mutterschaftsurlaub wieder. Ein Thema, womit sich im 4. – 6. Monat aber alle Eltern auseinandersetzen müssen, ist die Beikosteinführung. Ausserdem habe ich in dieser Zeitspanne deutlich gemerkt, dass unsere Paarzeit ziemlich in den Hintergrund gerückt ist. Ich berichte, wie wir damit umgehen.

Der Mutterschaftsurlaub ist vorbei

Der gesetzliche Mutterschaftsurlaub endet nach 14 Wochen. Also dann, wenn das Baby rund 3.5 Monate alt ist. Ganz schön früh, wenn man mich fragt. Nach dieser Zeit, in der man 80% vom Lohn in Form von Taggeldern erhält, muss man sich entscheiden. Im besten Fall hat man sich schon im Voraus Gedanken gemacht und hat bereits einen Plan. Geht man wieder arbeiten? Vollzeit oder ein kleineres Pensum? Bleibt man zu Hause? Wenn ja, wie wird die Familie finanziert? Reicht das Geld? Man muss sich sehr viele Fragen stellen und neben alledem ist da noch ein weiterer Aspekt, den man davor nicht einplanen kann. Dieses Baby. Und diese Mutterliebe. Denn in der Schwangerschaft kann man sich oft noch nicht vorstellen, wie sehr einen dieses Baby verzaubert und einnimmt. Ich möchte nicht sagen, dass es nicht okay ist auch arbeiten gehen zu wollen – es ist völlig okay auch nach dieser Zeit wieder arbeiten zu gehen (ob wollen oder müssen) –  aber die Bedeutsamkeit dieser Komponente kann man im Vorhinein noch nicht einschätzen.

Ich habe bereits in meiner ersten Schwangerschaft meine Stelle als Kauffrau auf Ende des Mutterschaftsurlaubs gekündigt. Ich bin nicht wieder eingestiegen und bin nun, zwei Jahre später, zum zweiten Mal Mami geworden. Mein Mann arbeitet Vollzeit und sorgt damit finanziell für die Familie. Wir haben uns gemeinsam für dieses doch eher traditionelle Familienmodell entschieden. Nicht, weil das jemand von mir oder von uns verlangt oder weil «man das so macht», sondern einfach, weil es für uns so am besten passt.

Beikoststart – Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Grundsätzlich wird empfohlen, 6 Monate voll zu stillen und danach langsam mit der Beikosteinführung zu starten. Auch nach Einführung der Beikost kann bis zum Alter von zwei Jahren und länger gestillt werden. Dabei handelt es sich um eine ungefähre Altersangabe. Denn die Beikostreife ist von Kind zu Kind verschieden. Folgende Punkte sollten erfüllt sein, bevor man (frühestens ab dem 5. Monat) mit der Beikost startet.

Beikostreifezeichen:

  • Das Baby kann (mit wenig Hilfe) aufrecht sitzen und den Kopf selbständig halten
  • Das Baby zeigt Interesse am Essen anderer Familienmitglieder und macht Kaubewegungen
  • Der Zungenstossreflex ist verschwunden (stösst Nahrung nicht mehr aus dem Mund)
  • Das Baby kann die Bewegung von der Hand zum Mund koordinieren

Beikoststart – Brei oder BLW?

Natürlich gibt es nicht nur Brei oder BLW, sondern auch Brei UND BLW. Die Abkürzung BLW steht für die Beikosteinführungs-Methode «Baby led weaning». Damit ist gemeint, dass das Baby selbst das Tempo angibt und die Nahrung selbst zu sich nimmt – also selbst isst. Ganz ohne Brei und füttern.

Für mich hat sich die Ursprungsfrage nach Brei oder BLW schnell beantwortet. Beziehungsweise hat meine Tochter sie beantwortet. Denn sie lehnte Brei von Beginn an ab. Die ersten Versuche habe ich mit etwa 6 Monaten gestartet. Dass es nicht sofort klappt, ist ganz normal. Das Kind braucht Zeit, sich an die feste Nahrung zu gewöhnen und den Umgang damit zu lernen. Kleiner Spoiler-Alert: bei meiner Tochter kam dieser Moment nie. Auch viele Wochen und Brei-Versuche später möchte sie einfach nicht. Wir sind deshalb im Team BLW. Deshalb gibt es an Stelle von Brei, feste Nahrung, die sie selbst gut greifen kann. Dafür schneide ich Gemüse in Stick-Form und dünste es oder backe auch mal salzfreie Gemüsemuffins oder sie knabbert Brotrinde oder Rohkost (am liebsten Gurke).

Im nächsten Babytagebuch (7. – 9. Monat) werde ich ein Update über unsere BLW-Erfahrungen geben.

Bye bye Paarzeit?

Die Neugeborenen-Zeit ist rum und vielleicht beschleicht einen jetzt langsam ein leiser Wunsch, wieder etwas mehr Zeit alleine mit dem Partner zu verbringen. Wieder einmal alleine im Lieblings-Restaurant essen gehen, oder auch einfach nur einen ruhigen Fernsehabend zu zweit verbringen. Wenn man Glück hat, dann schläft das Baby nachts gut und zumindest ein Fernsehabend auf Abruf liegt drin. Den einen Paaren genügt das, den anderen nicht. Wichtig dabei ist wohl, dass man nun über seine Wünsche und Bedürfnisse offen spricht. Und dann nach Lösungen sucht. Ich und mein Partner verbringen zugegeben kaum Zeit zu zweit, also wirklich zu zweit. Ganz ohne (schlafendes) Kleinkind und (vielleicht ebenfalls schlafendes) Baby in der Nähe. Aber wir reden regelmässig darüber und akzeptieren, dass nun nicht die Zeit für unsere Zweisamkeit ist – aber, dass sie wieder kommt, sobald unsere Kinder älter sind. Auf unseren ersten Kinobesuch freuen wir uns dennoch jetzt schon.

Foto: Irina Bottlang