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Babytagebuch: 10. – 12. Monat

Herzlichen Glückwunsch! Am Ende dieser Zeit, ist Dein Baby kein Baby mehr, sondern offiziell ein Kleinkind. Herzlichen Glückwunsch nicht nur zum Geburtstag Deines Babys, sondern auch zu einem Jahr als Eltern. You made it!

Essen vom Familientisch
Jetzt (oder bald) kann das Baby vom Familientisch essen. Das heisst: Brei ade. Etwa ab dem ersten Geburtstag isst das Kind das Gleiche wie der Rest der Familie. Da unsere Tochter keinen Brei gegessen hat (siehe Babytagebuch 4. – 6. Monat), war der Übergang schleichend. Anfangs habe ich die Sachen fürs Baby separat und ungewürzt gekocht und nun, mit einem Jahr, nicht mehr. Ich achte darauf, dass sie nicht allzu viel Salz, Zucker oder starke Gewürze bekommt, aber ansonsten isst sie vom Tisch – wie wir. Das macht Spass. (Und eine ziemliche Sauerei. Aber hauptsächlich Spass.)

Die Menge der Mahlzeiten
Insbesondere wenn das Baby (viel) Brei gegessen hat, ist der Kontrast zur Menge am Familientisch gross. Die Kinder essen oftmals eine viel geringere Menge. Das ist völlig okay, da das Hauptnahrungsmittel, auch zum Ende des ersten Lebensjahres, Milch ist. Druck oder Zwang hilft hier nicht. Meine Tochter isst sehr wenig, aber ich versuche, es gelassen zu sehen. Sie entwickelt sich wunderbar und nimmt sich, was sie braucht.

Schoppen, Schnabeltasse und Becher – und übers Trinken allgemein
Neben dem Stillen (was auch in diesem Alter und bis zum Alter von zwei Jahren und darüber hinaus von der WHO empfohlen wird), trinkt meine einjährige Tochter Flüssigkeit aus dem Becher. Probiert es mal aus. Oft haben die Kleinen Freude daran, aus Bechern, Gläsern und Tassen zu trinken wie die Grossen. Und ausserdem wirkt es einem Dauernuckeln an der Wasserflasche entgegen.

Oft liest man, dass ein einjähriges Kind nachts nun keinen Schoppen oder keine Stillmahlzeit mehr braucht. Das mag für viele zutreffen. Wenn nicht, dann nicht! Selbst wenn es, wie oft behauptet, nur eine Gewohnheit ist, spendet es auch nachts Nähe und Geborgenheit. Etwas, worauf auch einjährige Babys angewiesen sind. Dein Kind ist soweit, wenn es soweit ist. Ich stille meine Einjährige nachts übrigens noch und solange es für uns beide passt und sie es braucht, werde ich das auch so beibehalten.

Die ersten Schritte
Nun ist es soweit. Es kann jederzeit losgehen. Bald läuft das Baby. Während einige Babys bereits ihre ersten Schritte gehen, sind andere noch weit davon entfernt. Auch wenn ich Gefahr laufe, mich zu wiederholen, finde ich es auch an dieser Stelle mega wichtig: Jedes Kind zu seiner Zeit. Und: Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht. Und doch weiss ich, wie es sich anfühlt, wenn man diese ersten Schritte herbeisehnt. Von Lernlaufhilfen, wie zum Beispiel «Gehfrei»-Geräten, wird abgeraten. Sie belasten die Hüften ungünstig und können bei Stürzen wirklich gefährlich werden.

Zeit für Schuhe? Nein, das ist tatsächlich nicht nötig. Das Natürlichste, auch fürs Laufenlernen, ist barfuss (oder, wenn es kalt ist, in Socken) zu gehen.

Der eigene Wille
Während es vor wenigen Tagen noch toleriert wurde, wenn einem der grosse Bruder das Spielzeug aus den Händen reisst, wird nun lautstark protestiert. Gestern wurde das entgegengestreckte Stück Salatgurke noch freudig empfangen, heute wird es mir aus der Hand geschlagen und gemotzt. Trotzdem habe ich mich gefreut. Denn da ist er – der eigene Wille. Einerseits erfüllt mich diese Tatsache mit Stolz, andererseits birgt es neue Herausforderungen. Aber das kriegen wir schon hin. Dieser Entwicklungsschritt ist für uns Eltern oft überfordernd und bringt eigene Wut hervor. Jedoch – ganz wichtig – Gewalt ist keine Lösung. Handgreiflichkeiten jeglicher Art dürfen nicht als Erziehungsmittel eingesetzt werden. Droht eine Situation zu eskalieren, kannst Dich jederzeit an den Elternnotruf wenden.

Der emotionale erste Geburtstag
In der Vorbereitung auf den ersten Geburtstag haben sich Freude und Wehmut abgewechselt. Ich freute mich, dass mein Baby nun zum Kleinkind wird und war wehmütig, dass die Babyzeit bald endgültig vorbei sein würde. Beim zweiten Kind ist diese Wehmut tatsächlich noch stärker, denn – wer weiss – vielleicht ist die Babyzeit für immer vorbei und wir haben nur noch wenige Tage ein Baby zu Hause.

Besonders wenn Dein Kind sensibel auf Reize reagiert, sollte das mit in die Planung des ersten Geburtstages miteinbezogen werden. Keine ungewohnt laute Musik, kein straffes Programm mit vielen, teilweise fremden Menschen. Haltet die Feierlichkeiten am besten klein und in vertrautem Kreise oder feiert gegebenenfalls an zwei verschiedenen Tagen. Wir haben am Geburtstag unserer Tochter den engsten Familienkreis eingeladen, Kuchen gegessen und die Zettel für die Vorhersage-Zeitkapsel ausgefüllt. Auf meinem Blog findest Du mehr zur Zeitkapsel. Ein wunderbarer und emotionaler Tag für uns Eltern.

Und nochmal: Herzlichen Glückwünsch!

Foto: Irina Bottlang